Nimm mit 512.157 Campact-Aktiven Einfluss
auf aktuelle politische Entscheidungen.
Samstag, 26. September. Die FDP hat sich heute, einen Tag vor der Bundestagswahl, den Heumarkt in Köln ausgesucht, um mit ihrem Spitzenkandidaten noch einen Wahlkampftermin zu bestreiten. Guido Westerwelle weiß natürlich, dass er das Thema Atomkraft auch heute nicht aus seiner Veranstaltung heraus halten kann. Er hofft aber sicherlich, dass es viel weniger kritische Menschen werden, als gestern in seinem Wahlkreis Bonn. Doch die über 100 Campact-Aktiven, die sich in der Nähe am Gürzenich treffen und Plakate abholen machen diese Hoffnung zunichte. Sie mischen sich mit den zusammen gefalteten Plakaten in den Taschen unter die knapp 1000 Besucher. Einige Aktive finden sogar noch Platz an den Tischen, die vor der Bühne aufgebaut sind und setzen sich zwischen die FDP-Anhänger.
Als der Parteivorsitzende dann die Bühne betritt, begrüßt er „den grünen Flashmob“. Tja, so ist das wohl, wenn man Politik mit Parteien gleichsetzt und probiert, außerparlamentarische Opposition zu ignorieren. Dabei hat z.B. Campact mittlerweile mehr als doppelt so viele Menschen im Verteiler als die FDP Mitglieder. Gönnerhaft proklamiert er, dass wir ja jetzt die Gelegenheit hätten, unsere Botschaft kundzutun. Leider folgen ein paar seiner Aufforderung, obwohl es eigentlich erst später losgehen soll, um Westerwelle ein wenig zu verwirren. Aber die Aufmerksamkeit für die Aktion ist so natürlich auch gegeben und so ist es letztlich OK, dass jetzt die über 100 schwarz-gelben Plakate in die Höhe gehen. Besonders schön ist es, als direkt vor der Bühne die Aktiven von den Bänken aufstehen und sich teilweise auf selbige stellen. So ist der Blick auf den FDP-Vorsitzenden für 2-3 Minuten teilweise überlagert von den Anti-Atom-Motiven und auch das Fernseh-Großdisplay neben der Bühne zeigt „Schwarzgelb – Atomalarm“.
Das FDP-Publikum bleibt während der Aktion angenehm entspannt. Handgreiflichkeiten und Pöbeleien gegen die Campact-Aktiven, wie es sie in anderen Städten bei den Flashmobs gegeben hat, finden hier nicht statt. Da zeigt sich, dass das Kölner Motto „Leeve un leeve losse“ auch von den hier versammelten Parteianhänger ernst genommen wird. Herr Westerwelle wird jedoch wieder ausfallend und stellt die Aktiven verbal in die Extremistenecke, die andere Meinungen nicht gelten lassen. Von solchen Entgleisungen lassen sich die über 100 Flashmobber jedoch nicht die gute Laune verderben und verlassen nach erfolgreicher Aktion den Platz.
Fotograf:Andreas Hagedorn