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Starnberg, 27. Juni - 23:15 Uhr
Der Wind bläst nicht nur Gentechnik-Pollen weiter als gewünscht durch die Gegend, sondern in Schweinfurt auch unser Infomaterial. Da die Sonne scheint, können wir immerhin auf die Pavillions verzichten. Der SPD-Abgeordnete Frank Hoffmann ließ sich durch den Schwelheimer Bürgermeister Hans Fischer vertreten. Fischer nahm eine sehr gentechnikkritische Position ein und schilderte eindrücklich die negativen Erfahrungen mit Gentechnik-Anbau in der Region. Wirtschaftsminister Michael Glos, Wahlkreisabgeordneter von Schweinfurt und ausgemachter Gentechnikbefürworter hatte sich hingegen keine Zeit genommen, um mit uns zu diskutieren.
Auch etliche Bauern aus der Region waren mit ihren Schleppern auf den Schweinfurter Marktplatz gekommen, auf dem sich etwa 80 Menschen versammelt hatten. Die Landwirte erläuterten, warum aus ihrer Sicht die Koexistenz von Gentechnik-Anbau und konventioneller bzw. biologischer Landwirtschaft nicht möglich ist. Viele Bürger unterschrieben unsere Postkarten an Glos und nahmen große Packen mit zum Veteilen an Freunde und Bekannte.
Darmstadt, 27. Juni - 13:45 Uhr
Die Jutizministerin Brigitte Zypries hatten wir eingeladen, mit uns den Entwurf zum Gentechnik-Gesetz zu diskutieren, zu dem auch ihr Haus Stellung beziehen muss. Leider fand sie keine Zeit für uns, antwortete aber immerhin ausführlich auf die von uns ihr zugesandten Fragen. Darin spricht sie sich eindeutig gegen die Verwässerung der Haftungsregeln aus: “Es ist tatsächlich problematisch, wenn geschädigte Landwirte auf finanziellen Ausfällen sitzen bleiben, weil der GVO-Gehalt unter der gesetzlichen Kennzeichnungsschwelle von 0,9% liegt. Aus meiner Sicht wird es problematisch sein, mit der CDU/CSU eine Verschärfung der Haftung zu Gunsten der gentechnikfreien Landwirtschaft durchzusetzen. Daher geht es jetzt darum die Haftung nicht weiter aufzuweichen, sondern sie unverändert zu erhalten.” Auch will sie das Standortregister weiter öffentlich zugänglich lassen. Eine erfreulich eindeutige Positionierung, wie wir sie uns auch von etlichen anderen Regierungsmitgliedern gewünscht hätten. Der Darmstädter CDU-Abgeordnete Andreas Storm kniff hingegen und ließ auch unsere Fragen unbeantwortet.
Auch ohne Anwesentheit der Abgeordneten hatten wir eine spannende Diskussion über die Folgen der Gentechnik. Rüdiger Stegemann vom Netzwerk Gentechnikfreie Regionen forderte, Agro-Gentechnik nicht als Chance für den Standort Deutschland auf dem Weltmarkt zu begreifen sondern vielmehr als Risiko. Viele Länder würden auf Gentechnikfreiheit ihrer Landwirtschaft und damit ihrer erzeugten Produkte setzen, da Konsumenten rund um den Globus keine Gentechnik auf dem Teller wollen.
Die Landtagskandidatin Iris Behr von Bündnis 90/Die Grünen erläuterte, dass Darmstadt städtische Ackerflächen nur noch verpachtet mit der Auflage, auf genveränderte Saaten zu verzichten. Auch der Bauernverband empfehle seinen Mitgliedern, auf den Einsatz von genverändertem Saatgut zu verzichten. Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen Stadtverordnetenfraktion, Doris Fröhlich berichtete, wie einige Fraktionsmitglieder mit dem Anbau von Bantam-Mais Druck gegen Gentechnik machen. Nach der Diskussion stärkten sich die Bürger/innen an der gentechnifreien Tafel.