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Antwort von Iris Bauer an Horst Seehofer

Aalen, 9.2.2006

Sehr geehrter Herr Seehofer, sehr geehter Herr Köhler,

wenn ich diese Antwort lese, wünschte ich mir, dass Sie sich mal Rat holen bei Leuten, die Sie gut informieren können. Der BUND, Foodwatch, Attac, die Coordination gegen Bayer Gefahren, Greenpeace um nur einige zu nennen sind immer für Sie da.

Im Folgenden möchte ich einige Stellen Ihres Schreibens hinterfragen:

"Den Landwirten sollen deshalb klare Regeln in Form einer Verordnung an die Hand gegeben werden, wie sie beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen vorzugehen haben, so dass die Früchte ihrer Nachbarn von Gentechnik unbeeinträchtigt bleiben." Seit wann lassen sich Bienen und Wind beim Pollenflug durch Verordnungen aufhalten?

"Ernstzunehmende Wissenschaftler bestätigen, dass die sog. Koexistenz beider Anbausysteme (mit und ohne Gentechnik) in der Praxis möglich ist..." Auch bei der Atomkraft haben in den 70ern "anerkannte Experten" versichert, dass Atomkraft gut, sauber, billig und sicher ist. Dennoch ist inzwischen erschreckend viel passiert.

"Um letztlich überzeugende Sicherheit zu gewinnen, haben die Betreiber einer gentechnischen Veränderung darüber hinaus die Pflicht, ihr Konstrukt nach der Zulassung in der Praxis zu beobachten und alle Hinweise auf auftretende Schäden unverzüglich zu melden. Das Konstrukt wird dann ggf. aus dem Verkehr gezogen." Kein einziger der Skandale der letzten Jahrzehnte, die bisher bekannt wurden, ist von den Betreibern selbst aufgedeckt worden. Warum sollte das hier anders sein? Wer ist so "geschäftsschädigend", dass er sich freiwillig selbst an den Pranger stellt?

"Wenn aber von zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen nach menschlichem Ermessen eine Gefährdung für Menschen, Tiere, Pflanzen und Umwelt nicht ausgeht, so kann man m.E. auch von Mitbürgern, die die Gentechnik aus welchen Gründen auch immer ablehnen, die Respektierung des Grundsatzes der Koexistenz einfordern." Wer kann denn tatsächlich garantieren, dass keine Gefahr von Gentechnik ausgeht? Wo sind denn die nötigen Langzeit-Ergebnisse, die die Unbedenklichkeit bei Mensch und Tier belegen? Wenn die Koexistenz so aussieht, dass die Gentechnik die herkömmlichen Anbaumethoden unmöglich macht oder "ausmendelt" kann von niemandem Kompromissbereitschaft eigefordert werden.

"Kein Landwirt kann aber dazu gezwungen werden, auf zugelassene Gentechnik zu verzichten. Jede Behörde in der EU, die das durchsetzen will, handelt rechtswidrig." Trotz der EU-Forderung vor vielen Jahren nach Geschwindigkeitsbeschränkung sind wir Deutschen mit "Freier Fahrt für Freie Bürger" gesegnet, obwohl die anderen Europäischen Länder um uns herum Geschwindigkeitsbeschränkung haben. Wie kann es da sein, dass wir uns nicht als "Gentechnikfreie Zone" halten können?

"Beispiele aus der ganzen Welt zeigen, dass Gentechnik wirtschaftliche Chancen eröffnet." Wer genau hinschaut wird erkennen, dass die wirtschaftlichen Vorteile sich auf Monsanto, Syngenta, Bayer, Aqua Bounty und Co. verteilen. Aktionen wie "Terminator-Technologie" ist nie im Leben ein Vorteil für die Bauern, oder Verbraucher in der Welt...

"Dies kann aber nicht bedeuten, Gentechnik in Deutschland zu be- oder gar zu verhindern und damit Arbeitsplätze und Einkommenschancen, insbesondere in der Forschung und Entwicklung, zu vernichten oder in das Ausland zu treiben." Wie viele Arbeitsplätze genau würde das denn in Deutschland bringen? Sicher nicht genug, dass es rechtfertigt, Nahrungsmittel und Verbrauchergesundheit zu gefährden.

"Wir sollten deshalb auch in Deutschland die Grüne Gentechnik weiterentwickeln, allerdings ohne jedes Zugeständnis in Fragen der Sicherheit und Unbedenklichkeit, denen Priorität vor allen wirtschaftlichen Überlegungen zukommt." Wie können Sie so schreiben, wenn Sie gleichzeitig die EU Richtlinien "verwässern" und uns Verbraucher/innen weniger schützen wollen, als die EU für uns angedacht hatte?

Wie können wir Verbrauer Ihnen da noch glauben?

Mit freundlichen Grüßen

Iris Bauer

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