Nimm mit 607.040 Campact-Aktiven Einfluss
auf aktuelle politische Entscheidungen.
Lüneburg, 11.4.2006
Sehr geehrter Herr Seehofer,
vielen Dank für die ausführliche Antwort und die Akzeptanz des Standpunktes der Gentechnik-Gegner.
Dennoch bleiben für mich Fragen in Ihrer Position offen:
1. Sie sind Volksvertreter. Wenn 75% einer Wählermenge, in diesem Falle der Bevölkerung bei repräsentativen Umfragen, gegen etwas sind, ist das nach allen Regeln der Demokratie ein eindeutiges Votum. Mehr als die "Absolute Mehrheit", ja sogar mehr als die "Zwei-Drittel-Mehrheit". Wieviel Mehrheit wollen Sie noch? Wenn alle Beschlüsse in unserem Land so eindeutige Meinungsverteilungen hätten, wäre wohl vieles einfacher.
Besinnen Sie sich bitte darauf, wem Sie primär Loyalität schulden - der Bevölkerung. Und handeln Sie danach.
2. Die langfristigen Folgen (Jahrhunderte und länger) von Genmanipulationen sind heute nicht absehbar. Die Natur hat Jahrmillionen gebraucht, um stabile, lebenswerte Verhältnisse zu erzeugen. Es ist anmaßend, wenn wir mit unseren heutigen, rudimentären Kenntnissen etwas "verbessern" wollen. Um Sicherheit zu erzielen, müßten wir nicht nur die Gentechnik durchdringen, sondern wir müßten auch die Komplexität der Natur verstehen.
Bitte versuchen Sie nicht den Eindruck zu erzeugen, dass es auf dem heutigen Kenntnisstand eine sichere, verantwortbare Gentechnik gibt. Wir können momentane, scheinbare Erfolge nur auf Kosten unserer Nachfahren einkaufen.
3. Sie erwähnen wirtschaftliche Interessen und Arbeitsplätze. In unserer heutigen Gesellschaft ist das ein gern genutztes Argument. Aber es ist reinste Rhetorik, da es keinerlei logische Begründung für falsche Entscheidungen sein kann.
Wollen Sie die Schuld für genetische Schäden an Folgegenerationen, an irreversiblen Naturschäden und an neuartigen Krankheiten und Pandemien dem heutigen Arbeitsmarkt oder der heutigen Wirtschaftslage geben?
Wenn Sie das tun, weisen Sie jegliche persönliche Verantwortung, die Sie als Mensch, als Familienvater und als gewählter Politiker haben auf billigste Art von sich.
Genau das Gegenteil wäre Ihre Aufgabe: das Wohl der Bevölkerung über wirtschaftliche Interessen zu stellen, Lobbyisten der Gentechnik-Industrie klare Absagen zu erteilen und mit Zivilcourage für den Erhalt einer gesunden Ernährungsgrundlage für die Bevölkerung zu kämpfen. Als Vorbild würden wir damit vielleicht auch weiteren Politikern, in Europa und weltweit, Mut machen.
Ich appelliere an Sie, Herr Seehofer, als Mensch, als Mitbürger und als mein Vertreter in der Regierung: nehmen Sie sich bitte die Meinung des "Kleinen Mannes" als Leitbild, und vertreten Sie das Volk.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Brühl