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Brombachtal, 2.3.2006
Sehr geehrter Herr Seehofer, sehr geehrter Herr Köhler,
in Ihrem Antwortschreiben gestehen Sie, dass es nicht leicht ist gentechnikfreie Lebensmittel zu produzieren, wenn neben konventioneller und ökologischer Anbauweise auch genmanipuliertes Saatgut ausgebracht werden darf.
Etwas später schreiben Sie dann allerdings, dass “ernstzunehmende Wissenschaftler bestätigen, dass die sog. Koexistenz beider Anbausysteme (mit und ohne Gentechnik) in der Praxis möglich ist” .
Wie soll denn diese Anbaupraxis konkret aussehen? Eine Kontamination der konventionellen und ökologisch angebauten Pflanzen durch genmanipuliertes Saatgut ist unumgänglich. Sicher sind auch Ihnen hinreichend Beispiele für Verunreinigungen z.B. in Mexiko bekannt. Ihr Ministerium muss dem Schutz der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft Vorrang einräumen.
Jene, die GMO produzieren, nicht die, die darauf verzichten wollen, müssen die zusätzlichen Kosten für einen strikt getrennten Anbau, für die Warenstromtrennung und die Analysen tragen. Jede Beteiligung der Gesellschaft an den Folgekosten muss ausgeschlossen sein. Solange dies nicht gewährleistet ist, darf der Anbau von gentechnisch veränderten Sorten generell nicht zugelassen sein.
Sie weisen darauf hin, dass von der Gentechnik keine Gefahr für Menschen, Tiere, Pflanzen und die Umwelt in ihrem Wirkungsgefüge ausgehen darf.
Ob ein “Konstrukt” gesundheitliche Schäden verursacht oder nicht, kann nach nur wenigen Jahren Erfahrung nicht mit Sicherheit gesagt werden. Gesundheitliche Schäden können ev. erst in späteren Generationen auftreten. Der Prozess der Genmanipulation ist keineswegs steuerbar. Viele “Konstrukte”, den Begriff finde ich hier übrigens sehr passend, bleiben dem Zufall überlassen und ihre genaue Zusammensetzung ist unbekannt. Zudem sind die Aufgaben eines einzelnen Gens nicht einmal hinreichend bekannt. Die Ergebnisse der Genmanipulation sind nur wenig vorhersehbar.
Bitte nennen Sie mir doch einige Vorteile, die Bauern vom Anbau genmanipulierter Organismen angeblich haben sollen und nennen Sie doch auch bitte gleich die Mindestanbaufläche, damit der Anbau auf Dauer wirtschaftlich ist.
Nennen Sie konkrete Beispiele, in denen nicht nur Konzernen und deren Aktionären, sondern ganz konkret Verbrauchern und Landwirten durch GMO “wirtschaftliche Chancen eröffnet” wurden.
Argentinien und Indien machen von gentechnisch manipulierten Pflanzen Gebrauch. Ein Großteil der armen Bevölkerung profitiert aber nicht davon. Die Hungersituation in Argentinien spitzt sich seit Beginn des Anbaus von Gen-Soja dramatisch zu. GMO treiben das Land weiter in eine exportorientierte, von Großbetrieben beherrschte Landwirtschaft. Nur wenige profitieren, während große Teile der Bevölkerung hungern. Sehen so die wirtschaftlichen Chancen aus? Die Abhängigkeit der Bauern von Saatguterzeugern und Patentinhabern wird durch die weitere Förderung der Grünen Gentechnik in diesen Ländern gesteigert. Und wie wird das in einigen Jahren bei uns aussehen?
Damit in Forschung und Wissenschaft mehr Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, ist es besonders wichtig endlich Forschung und Wissenschaft weitestgehend von Profitinteressen zu trennen. In Zeiten leerer Kassen suchen Forschungsinstitute nach privaten Geldgebern. Dies ist auch oder sogar besonders im Gentechnik-Bereich der Fall. Ziele und Methoden sind somit nicht frei von privatwirtschaftlichen Interessen und die sind bekanntlich mit Lohneinsparungen gekoppelt.
Die Gentechnik-Industrie schreibt seit Jahren rote Zahlen und gibt dennoch nicht auf. Einige wenige Konzerne, namentlich Bayer, Monsanto, Dupont und Syngenta stellen unsere Ernährungssicherheit weltweit in Frage und beanspruchen die alleinigen Rechte. Ausschließlich durch Patente und Terminatortechnologie macht die Grüne Gentechnik für die Profitmaximierung der Konzerne einen Sinn.
Die Bundesregierung und speziell Sie, Herr Seehofer, sind aufgefordert sich auf die Seite der Verbraucher und Landwirte zu stellen. Solange die Fragen nach Haftung, Koexistenz und Wahlfreiheit nicht garantiert zugunsten der Verbraucher und der Landwirte hier wie im Süden ausfällt, dürfen keine weiteren Gen-Saaten ausgebracht werden. Die EU muss ihren Bürgern und Staaten ermöglichen, GMO in der Nahrungsproduktion zurückzuweisen. Tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier müssen gekennzeichnet werden, wenn die Tiere mit Gen-Pflanzen gefüttert wurden.
Mit freundlichen Grüßen
Martina Clormann