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Herford, 4.3.2006
Sehr geehrter Herr Seehofer,
Ihre Bemühungen, den Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut in Deutschland zu erleichtern, haben bei mir Besorgnis und Unverständnis ausgelöst.
Sie wollen den Landwirten, die gentechnisch verändertes Saatgut ausbringen wollen, klare Regeln in Form einer Verordnung in die Hand geben, die einen unbeabsichtigten Eintrag von Gentechnik auf Nachbargrundstücke verhindert. Sie berufen sich dabei sogar auf Wissenschaftler, die bestätigen, dass die Koexistenz beider Anbausysteme ( mit und ohne Gentechnik) in der Praxis möglich ist. Sollten Sie das wirklich glauben (was ich mir nicht vorstellen kann) dann machen Sie sich selbst etwas vor. Wind und Insekten tragen die Pollen viele Kilometer weit. Die Risiken für unsere Gesundheit und für die Umwelt sind nicht absehbar.
Und nun zu den wirtschaftlichen Chancen, die die Gentechnik bietet: Von der grünen Gentechnik profitieren lediglich die Agrokonzerne. Gentechnisch veränderte herbizidresistente Pflanzen sind ein doppeltes Geschäft: Mit der Pflanze wird das passende Herbizid verkauft. Pflanze und Herbizid sind patentgeschützt und mit Lizenzvereinbarungen verbunden. Landwirte, die GVO anbauen wollen, machen sich folglich abhängig von amerikanischen Großkonzernen. Farmer aus den USA waren kürzlich in Deutschland und haben über ihre Erfahrungen berichtet. Die Firma Monsanto geht dort mit verbrecherischen Methoden vor, um die Landwirte zu zwingen, nur noch das von Ihnen hergestellte Saatgut zu verwenden.
Erfahrungen in den USA zeigen außerdem, dass der Pestizideinsatz insgesamt nach einer anfänglichen Senkung inzwischen stetig ansteigt, da die Wildkräuter Resistenzen bilden. Auch die versprochenen Ertragssteigerungen trafen häufig nicht ein. Angesichts dieser Erfahrungen kann man doch nicht mehr von Nutzen oder Vorteilen der grünen Gentechnik sprechen.
Landwirte, die dennoch GVO anbauen wollen, was man ihnen nach dem Urteil der WTO nicht verbieten kann, sollten aber auch, wie es das derzeitige Gesetz vorschreibt, für den von Ihnen verursachten Schaden haften müssen.
Ich bin der Meinung und mit mir über 70 % der Befölkerung, daß unser Saatgut - aus biologischem sowie aus konventionellen Anbau - gut ist, so wie es ist. Wir müssen es nicht "verbessern". Noch ist Deutschland nahezu gentechnikfrei. Wir wären dumm, diesen Vorteil aufzugeben.
Ich erwarte deshalb von Ihnen als Bundeslandwirtschaftsminister, dass Sie den Wünschen einer grossen Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher entsprechen und die bestehenden Haftungsregelungen beibehalten und nicht wie geplant, durch einen Haftungsfond ersetzen.
mit freundlichen Grüßen
Doris Eichholz