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Antwort von Barbli Gerster an Horst Seehofer

Berlin, 28.2.2006

Sehr geehrter Herr Seehofer,

ich habe den Antwortbrief Ihres Mitarbeiters gelesen und möchte dazu mit allem gebotenen Respekt, den auch Sie verdienen, obwohl Sie offensichtlich gewillt sind, die Nahrungsmittelqualität in Deutschland deutlich herabzusetzen, antworten.

Sie möchten, dass Landwirten, die gentechnisch veränderte Saat anbauen, „... klare Regeln in Form einer Verordnung an die Hand gegeben werden, wie sie beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen vorzugehen haben, so dass die Früchte ihrer Nachbarn von Gentechnik unbeeinträchtigt bleiben.“ Wie soll das gehen? Windstopper, Flugverbote für Insekten, genetische Desinfektionsmatten für Mäuse?

Sie wollen außerdem dafür sorgen, dass sichergestellt ist, „ ... dass ein Landwirt, der durch unbeabsichtigten Eintrag von Gentechnik in seine Erzeugnisse ... einen wirtschaftlichen Schaden erleidet, diesen auch ersetzt bekommt, ...“. Das ist schön. Aber was ist mit denjenigen, die das verunreinigte Getreide gekauft, verarbeitet und gegessen haben? Es geht doch nicht (nur) um den einzelnen Bauern, es geht noch nicht mal (nur) um die komplette Bio-Branche und um deren Kunden, es geht um die Gesundheit aller Bürger unseres Landes, von denen sich eine überwältigende Mehrheit dafür ausspricht, gentechnikfreie Lebensmittel essen zu wollen!

Ihre Ansicht, dass „... durch vernünftige Haftungsregelungen ... die Sorgen der Ökolandwirte zerstreut sein (müssten), dass sie in Zukunft keine Öko- und Bioprodukte ohne Gentechnik mehr herstellen könnten“, kann ich nicht teilen. Eine Versicherung kann – obwohl die entsprechenden Unternehmen selbst diesen Eindruck immer gerne fördern – den Eintritt des Schadensfalles niemals verhindern!

Sie ziehen die Aussagen „ernstzunehmender“ und „führender“ Wissenschaftler heran um die Schadlosigkeit „grüner“ Gentechnik zu unterstreichen und machen sich damit einer fast schon sträflichen Einseitigkeit schuldig. Studien ernstzunehmender und führender Wissenschaftler haben im Gegenteil schon diverse schädliche Folgen genetisch veränderter Lebensmittel nachgewiesen. Die entsprechenden Untersuchungen liegen mit Sicherheit auch Ihnen und nicht nur Greenpeace oder den Bio-Verbänden vor. Ein nachgewiesener Schaden überwiegt sicherlich auch in Ihren Augen jeden nachgewiesenen Nicht-Schaden. Zudem sollte Sie Ihre Erfahrung gelehrt haben, bei derartigen Studien(egal von welcher Seite) niemals nur die Überschriften zu lesen, sondern immer zu berücksichtigen, unter welchen Umständen sie zustande gekommen sind und welche Definitionen und Vorannahmen ihnen zugrunde liegen. Willkürliche Auswahl und falsches Zitieren von Studien ist Irreführung der Bevölkerung!

Wenn Sie die EU als obere Instanz ansprechen, die verschiedene gentechnisch veränderte Sorten zulässt, und daraus ableiten, es sei „... also aus gemeinschaftsrechtlichen Gründen nicht möglich, Gentechnik in Deutschland zu verhindern“, so möchte ich Sie daran erinnern, dass die EU aus ihren Mitgliedstaaten besteht und keine davon unabhängige Macht ist. Und Deutschland als einer dieser Mitgliedstaaten hätte durchaus die Möglichkeit, gemeinsam mit den von Ihnen erwähnten kleineren Mitgliedstaaten, die „... die Vorstellung (haben), Gentechnik in ihren Grenzen zu verhindern, weil sie sich auf den Märkten ohne Gentechnik höhere Erlöse versprechen“, darauf hinzuwirken, entsprechende Gesetze und Verordnungen im Sinne von Gentechnikfreiheit zu beeinflussen.

Mit Ihrer Äußerung „Beispiele aus der ganzen Welt zeigen, dass Gentechnik wirtschaftliche Chancen eröffnet.“ sprechen Sie an, worum es hier wirklich geht: um wirtschaftliche Interessen, und nicht, wie von Gentechnikbefürwortern oft vorgeschoben, um Gesundheit, Verträglichkeit o.ä. Wirtschaftliche Interessen sind dabei nicht per se ein tadelnswertes Ziel, vielmehr die damit oft einhergehende Blindheit für Werte wie Menschlichkeit, Gesundheit, Verantwortung sowie eine mangelnde Abwägung der Risiken. Wollen Sie tatsächlich, dass „... Fragen der Sicherheit und Unbedenklichkeit ... Priorität vor allen wirtschaftlichen Überlegungen zukommt“, dann kann dies im Falle „Grüne Gentechnik“ in letzter Konsequenz auch heißen, diese aus der freien Natur zu verbannen und – wie es sich für Medikamentenherstellung gehört – in abgeschlossene Hallen zu verlegen.

Zulassung der so genannten „Grünen Gentechnik“ ist kurzsichtig und nur von Menschen zu befürworten, die damit kurzfristige wirtschaftliche Vorteile verbinden und die keinen Pfifferling für die gesundheitliche, soziale und langfristige wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes und seiner Bürger geben.

Ich bin sicher, dass Sie sich nicht zu diesen zählen und daher Ihre bisher öffentlich gemachte Haltung zu diesem Thema im Sinne der obigen Überlegungen und Ihres Wahlvolkes revidieren werden.

Mit freundlichen Grüßen

Barbli Gerster

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