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Antwort von Hermine Kowalski an Horst Seehofer

Waldkraiburg, 3.3.2006

Sehr geehrter Herr Seehofer,

Die Meinung und Haltung aller Mitbürger, die die Grüne Gentechnik aus welchen Gründen und in welchem Zusammenhang auch immer ablehnen, verdient Respekt.

Das sind immerhin 75% der Bevölkerung. Respekt allein, wenn er denn nur ein reines Lippenbekenntnis bleibt, reicht bei weitem nicht aus.

Es ist deshalb unsere Pflicht, die zu Gebote stehenden Mittel dafür einzusetzen, dass auch weiterhin ein vielfältiges Angebot von Lebensmitteln auf dem Markt ist, das ohne Verwendung von Gentechnik hergestellt worden ist.

Sie wissen genau, dass dies bei weiterer Ausbreitung von Gentechnik irgendwann nicht mehr möglich sein wird. Wer das Gegenteil behauptet lügt. In Kanada ist es inzwischen kaum noch möglich, nicht-kontaminierten Raps zu erzeugen.

Das hört sich leichter an als es ist; denn der Pollen einiger Kulturpflanzen wird von Wind und Insekten in Nachbarbestände getragen und verursacht dort, wenn die Ausgangspflanze gentechnisch verändert war, dass gentechnisch bedingte Veränderungen ebenfalls auftreten.

Also bitte, wie wollen Sie dann durch ein paar alberne Gesetzte die Ausbreitung verhindern. Außerdem betrifft dies nicht nur Kulturpflanzen, sondern auch artverwandte Wildpflanzen.

Den Landwirten sollen deshalb klare Regeln in Form einer Verordnung an die Hand gegeben werden, wie sie beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen vorzugehen haben, so dass die Früchte ihrer Nachbarn von Gentechnik unbeeinträchtigt bleiben.

Noch mal: gentechnisch veränderte Pollen halten sich nicht an Gesetzte

Ernstzunehmende Wissenschaftler bestätigen, dass die sog. Koexistenz beider Anbausysteme (mit und ohne Gentechnik) in der Praxis möglich ist.

Diese Behauptungen finde ich kriminell und es ist eine Schande, dass solche Leute als "ernstzunehmende" Wissenschaftler gelten. Hier stellt sich für mich die ernsthafte Frage, von wem diese Leute bezahlt werden.

Selbstverständlich darf von der Gentechnik keine Gefahr für Menschen, Tiere, Pflanzen und die Umwelt in ihrem Wirkungsgefüge ausgehen.

Tut es aber und zwar in einer so verheerender Art und Weise, dass Schäden nicht mehr rückgängig zu machen sind. Außerdem kommt noch hinzu, dass diese so genannten Wissenschaftler selber nicht genau wissen, was sie dort treiben. (siehe die verschiedenen, völlig missglückten Experimente z.B. mit Baumwolle in Indien, um nur ein Beispiel zu nennen.)

Deshalb haben wir in der Europäischen Union eine strenge Prüfung der Auswirkungen jedes einzelnen Konstrukts zur Pflicht gemacht. Nach Aussage der führenden Wissenschaftler in ganz Europa dürfen wir davon ausgehen, dass Konstrukte, wenn sie die Prüfungen bestehen, Schäden nicht verursachen.

Das stimmt nicht. Es sind - durch Greenpeace - Untersuchungen bekannt geworden, die das Gegenteil beweisen. Greenpeace gelang vor dem Verwaltungsgericht Köln Akteneinsicht zum genmanipulierten Mais MON 863. Nach einem Bericht der französischen Tageszeitung "Le Monde" zeigten Ratten, an die der Gen-Mais mit eingebautem Insektengift verfüttert worden war, deutliche Veränderungen des Blutbildes und Organschäden. Und noch mal: Es stellt sich mir die Frage, von wem diese Wissenschaftler bezahlt werden. Lediglich 3% der Biotechniker gelten als unabhängig. Was die Auswirkungen auf die Umwelt angeht, so haben wir ja inzwischen leider reichlich negative Beweise - siehe z.B. Südamerika: Superunkräuter und ein noch höherer Verbrauch von Giften beim Anbau von Gensoja. Nicht Auszudenken die Auswirkung der Hybridpflanzen mit eingebautem Terminator-Gen.

Um letztlich überzeugende Sicherheit zu gewinnen, haben die Betreiber einer gentechnischen Veränderung darüber hinaus die Pflicht, ihr Konstrukt nach der Zulassung in der Praxis zu beobachten und alle Hinweise auf auftretende Schäden unverzüglich zu melden. Das Konstrukt wird dann ggf. aus dem Verkehr gezogen.

Dann ist es aber schon zu spät. Und mit Verlaub, zwar themenfremd, aber aus gegebenen Anlass: In Rügen sind die Behörden nicht einmal in der Lage, ein paar tote Vögel rechtzeitig wegzuräumen. Wie soll dann so was, wie genveränderter Pollen, der sich selbstständig macht, kontrollierbar und überschaubar bleiben.

Wenn aber von zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen nach menschlichem Ermessen eine Gefährdung für Menschen, Tiere, Pflanzen und Umwelt nicht ausgeht, so kann man m. E. auch von Mitbürgern, die die Gentechnik aus welchen Gründen auch immer ablehnen, die Respektierung des Grundsatzes der Koexistenz einfordern.

Es gehen sehr wohl eindeutige und sogar mit gesundem Menschverstand einfach nachvollziehbare Gefahren aus. Es wird auf Dauer keine Koexistenz geben können. Ist das so schwer zu kapieren? Zumal es keinen einzigen wirklich vernünftigen Grund für gentechnisch veränderte Pflanzen gibt. Alle Gründe, die sich die Gentechnikbefürworter aufs Fähnchen schreiben, sind vorgeschoben. Es geht nicht darum, den Hunger der Welt damit zu bekämpfen oder Arbeitsplätze zu schaffen, sondern einzig und allein um Profigier und um Machtkämpfe um den Lebensmittelmarkt.

Bei der gegebenen Möglichkeit der Übertragung gentechnischer Veränderungen auf die Nachbarfelder liegt die Idee gentechnikfreier Zonen nahe. Viele Landwirte, die ohne Gentechnik pflanzliche Produkte herstellen wollen, streben danach. Es ist nicht das Geringste dagegen einzuwenden, wenn solche Verbünde privatwirtschaftlich organisiert werden. Kein Landwirt kann aber dazu gezwungen werden, auf zugelassene Gentechnik zu verzichten. Jede Behörde in der EU, die das durchsetzen will, handelt rechtswidrig. Sogar kleinere Mitgliedstaaten der EU haben die Vorstellung, Gentechnik in ihren Grenzen zu verhindern, weil sie sich auf den Märkten ohne Gentechnik höhere Erlöse versprechen. Aber auch sie können den generellen Verzicht auf Grüne Gentechnik nicht erzwingen.

Selbstverständlich könnte eine verantwortungsvolle und vorausschauende Politik es unterbinden, dass Leute, die nicht über ihren eigenen Tellerrand hinausschauen können, daran gehindert werden, derartige Schäden zu verursachen. Außerdem gibt es Länder, die klug genug sind, dies zu tun. (siehe z.B. Österreich, Schweiz, Griechenland) Wieso kann z.B. Griechenland Genmais verbieten und hier in Deutschland ist dies nicht möglich?? Und wer macht eigentlich die Gesetzte in der EU?? Warum ist es möglich, dass die EU-Kommission sich ständig vor den Karren der Gentechniklobby spannen lässt.

Beispiele aus der ganzen Welt zeigen, dass Gentechnik wirtschaftliche Chancen eröffnet. Daher ist es nicht verantwortbar, nicht dafür zu sorgen, dass auch Deutschland daran prinzipiell Teil hat.

Aber nur für diejenigen, die das Zeug herstellen und in rücksichtsloser Profitgier verbreiten wollen. Und das zu einem sehr hohen Preis. Nämlich der Zerstörung der Umwelt und der Artenvielfalt und der mit transgenen Pflanzen verbundenen Gesundheitsrisiken. Die Ökolandwirtschaft ist ein Wachstumsmarkt, der Arbeitsplätze schafft!

Wenn 75 % unserer Bürger in Befragungen ihre Ablehnung gegen Grüne Gentechnik in der Ernährung zum Ausdruck bringen, müssen wir jedoch auch die Weichen dafür stellen, dass sie in gewünschter Menge Lebensmittel ohne Gentechnik kaufen können. Dies kann aber nicht bedeuten, Gentechnik in Deutschland zu be- oder gar zu verhindern und damit Arbeitsplätze und Einkommenschancen insbesondere in der Forschung und Entwicklung zu vernichten oder in das Ausland zu treiben. Denn die Belieferung Deutschlands mit Lebensmitteln, Futtermitteln und Saatgut, die mit Gentechnik hergestellt werden, kann nach den Regeln der Europäischen Union dadurch nicht verhindert werden. Wir sollten deshalb auch in Deutschland die Grüne Gentechnik weiterentwickeln, allerdings ohne jedes Zugeständnis in Fragen der Sicherheit und Unbedenklichkeit, denen Priorität vor allen wirtschaftlichen Überlegungen zukommt.

Das ist für mich - mit Verlaub - leeres Geschwätz. Sehr geehrter Herr Seehofer, Sie werden von uns dafür bezahlt, unsere Interessen, nämlich die der Mehrheit der Bevölkerung, mit aller Macht zu vertreten. Das scheinen die meisten der so genannten "Volksvertreter" immer wieder zu vergessen.

Gentechnik darf sich in Deutschland nicht ausbreiten!

Mit freundlichen Grüßen

Kowalski Hermine

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