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Antwort von Werner Lettmaier an Horst Seehofer

Niederstaufen, den 7.4.2006

Sehr geehrter Herr Seehofer,

am 5. April demonstrierten ca. 2000 Delegierte aus 20 Ländern für ein gentechnikfreies Europa anlässlich der EU-Gentechnik-Konferenz mit dem ironischen Namen „The Freedom of Choice“ (Wahlfreiheit). Die Konferenz diskutiert und beschließt unter Beteiligung von ExpertInnen und PolitikerInnen aus allen EU Ländern über die Rahmenbedingungen für ein Nebeneinander von Gentechnik oder gentechnikfreier Landwirtschaft, der so genannten Koexistenz.

Ein 2 Kilometer langer Demonstrationszug aus Beschützern der gentechnikfreien Landwirtschaft formierte sich am Praterstern und zog mit vielen bunten Transparenten vor das Kongresszentrum in dem konferiert wurde. Inmitten der Statements von ca. 40 Organisationen aus den verschiedenen Ländern wurde den Konferenzteilnehmern, die heraus gekommen waren, eine sog. Wiener Erklärung übergeben, darin die Forderungen aufgestellt und begründet waren u. a.:

  • Die Möglichkeit einer Koexistenz zwischen genmanipuliertem und nicht-genmanipuliertem Anbau muss zuallererst nachgewiesen werden.
  • 0% Verunreinigung von Saatgut mit GVO (genveränderten Organismen)
  • Die Biotech-Unternehmen und die Anbauer von GVO sowie Verursacher von GVO-Verunreinigungen und Kontamination müssen für alle Schäden verantwortlich und haftbar gemacht werden. Die Beweislast muss auf deren Seite liegen.
  • Schäden dürfen nicht ganz oder teilweise aus einem Fond bzw. vom Staat bezahlt und damit das Risiko von den Schadensverursachern genommen werden.
  • Recht der europäischen KonsumentInnen auf gentechnikfreie Ernährung und das Recht der Bäuerinnen und Bauern auf gentechnikfreie Landwirtschaft. Das Recht auf freie Konsumwahl inkludiert das Recht auf Nahrungsmittel ohne jede GVO-Verunreinigung und die Pflicht der Kontrollbehörden zu kontrollieren.
  • Die EU muss die Möglichkeit der weiteren Entwicklung von gentechnikfreien Regionen rechtlich absichern und das Selbstbestimmungsrecht auf Freiheit von GVO anerkennen.
  • Sicherheit und Vorsorge durch unabhängige Risikoforschung.
  • Ernährungssouveränität und Kennzeichnung, biologische Vielfalt.

Etwa 75% der europäischen Bevölkerung wollen keine genmanipulierten Lebensmittel und fürchten die Risiken. Politiker und Wirtschaftsunternehmen haben sich vom Volk weg entwickelt. Die Forderung nach direkter Demokratie war unüberhörbar. Österreich ist mit dem Willen der Bevölkerung gentechnikfreie Region. In der Schweiz besteht ein 5 jähriges Moratorium.

Organisiert wurde der Sternmarsch von der Plattform Gentechnikfreie Regionen und Länder in Europa. Aus dem Bodenseegebiet und Allgäu waren VertreterInnen von der Arbeitsgem. Bäuerliche Landwirtschaft, BUND, Grüne Kreisverband Lindau, GOL Wangen, Bioland Oberschwaben, Bodenseeakademie Dornbirn, Grüne Vorarlberg zur Unterstützung nach Wien gefahren. Veranstaltungen in der Region werden folgen. Am 22.04.06, von 9 – 13 Uhr stellt sich in Ravensburg auf dem Marienplatz das „Bündnis gentechnikfreie Anbauregion Bodensee-Allgäu-Oberschwaben“ im Rahmen einer Großkundgebung vor.

mit freundlichen Grüßen

Werner Lettmaier

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Folgende Organisationen unterstützen die Aktion:

BOLW keine gentechnik NATURLAND ABL Save our seeds IG Saatgut GeN Gentechnikfreie Regionen GLS Treuhand