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Antwort von Gisela Mohr an Horst Seehofer

Halle, 23.2.2006

Sehr geehrter Herr Minister Seehofer,

am 13. Januar 2006 unterzeichnete auch ich die Mustervorlage von campact.de bezüglich der beabsichtigten Änderungen zur Gentechnik in der Landwirtschaft. Zuvor, im Dezember 2005 schon, die des Naturkostmagazins Schrot&Korn.

Ich wollte Sie in der Diskussion um die Novellierung des Gentechnikgesetzes und den damit verbundene Äußerungen, den Anbau von Gentechnik-Pflanzen zu erleichtern, darin bestärken, sich zum Wohle des Volkes - so lautet doch der Eid beim Amtsantritt - auch im Hinblick auf die Gentechnik in der Landwirtschaft einzusetzen und es den Schweizer Bürgern und anderen Staaten gleich zu tun! In Europa, Osteuropa eingeschlossen, in Argentinien und Venezuela stellen sich Regierungen und Landwirte gegen die Aussaat von gentechnisch verändertem Saatgut. Die Regierungen von Simbabwe, Sambia und Malawi lehnten (im Jahr 2002) das Angebot der USA, als Welthungerhilfe gentechnisch veränderten Mais zu liefern, gänzlich ab bzw. bedingten sich aus, dass der Mais nur in zerkleinerter Form in das Land kommt. Auf diese Weise wurde verhindert, dass der Mais als Saatgut verwendet werden und somit die Nahrungskette beeinflussen konnte. Weshalb also will der Bundesminister für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in Deutschland nicht wahrhaben, was Regierungen und Menschen über den Erdball hinweg von der Gentechnik halten und was Forscher weltweit unterstreichen: Gentechnik ist eine Risikotechnologie mit unabsehbaren Folgen und Kosten. Sie darf nicht weiter ge- und befördert werden! Das fordern die Verbraucher, die Bio-Waren kaufen; die Landwirtschaftsbetriebe, die ökologisch wirtschaften; die Landwirte, die sich zu gentechnikfreien Regionen zusammentun; die Menschen, die die Aktion "Feldbefreiung - Gendreck weg" aktiv oder moralisch unterstützen; Großstädte wie München oder Leipzig, die die Ökolandwirtschaft in ihren Wasserschutz-Gebiete ansiedeln.

Doch Ihre Antwort, Herr Minister, auf die vielen Proteste löst bei mir noch viel mehr Sorge aus und stößt auf weit verstärktes Unverständnis als die zuvor geäußerten Ansichten zur Gentechnik von Ihnen und aus Ihrem Hause.

Seit der Wende ist es möglich, auch bei uns in Halle (Saale) im Naturkostladen einzukaufen. Und das tue ich auch weitestgehend. Seit der Wende unterstütze ich außerdem den BUND wie auch das GeN und die Tübinger Initiative gegen die Bioethik-Konvention, da ich es für meine letzten Lebensjahrzehnte aber auch für die mir nachfolgenden Menschen für wichtig erachte, dass es weiterhin Natur und natürliche Lebensweise nebst natürlicher Ernaehrung und Gesundheitsvorsorge gibt.

Daher erwarte ich nach wie vor von Ihnen, Herr Minister Seehofer, und von den Mitarbeitern Ihres Hauses:

1. Die Einhaltung eines konsequenten Verursacherprinzips.

2. Gentechnikfreier Anbau und Wahlfreiheit ist unter allen Umständen sicher zu stellen.

3. Die Gewährleistung von Transparenz.

Es ist für mich auch nach Ihrer Antwort auf die erhebliche Anzahl von Protestschreiben noch weniger nachvollziehbar, warum ein vages und unbelegtes Arbeitsplatz-Versprechen blind macht für die Gefahren einer Technologie, deren Auswirkungen für Mensch und Umwelt niemand seriös überblicken kann!!!

Übrigens: Der Gau in Tschernobyl fordert noch heute Menschenleben, beeinträchtigt die Gesundheit ungezählter Personen, kostet - auch unser Land - weiter hunderte von Milliarden von Euro; für eine Risikotechnologie ähnlicher Art!!! Man bedenke dabei: Von dieser enormen Summe geht kein müder Euro an die gesundheitlich und wirtschaftlich Not leidenden Menschen der Ukraine, Weißrussland und Russland.

Mit erinnernden, mahnenden und trotzdem freundlichen Grüssen

Gisela Mohr

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