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Antwort von Beate Pittas an Horst Seehofer

Grafenberg, 8.3.2006

Sehr geehrter Herr Seehofer, Gentechnik schafft Arbeitsplätze? Von wegen! Der Babynahrungshersteller Hipp kündigte in der Tagesschau am 14.1.06 an, ins Ausland zu gehen, wenn die deutschen Bauern keine garantiert GVO- freien Produkte mehr anbieten können. In Deutschland arbeiten ca. 1000 Menschen im Bereich der Agro-Gentechnik, davon die meisten in Staatlichen Einrichtungen. Allein der Bioanbau und die nachgelagerten Betriebe beschäftigen 150.000 Menschen. Angesichts dieser Verhältnisse muss eine auf den Erhalt von Arbeitsplätzen, sozialen Ausgleich und zukunftsorientierte Landwirtschaft ausgerichtete Politik erkennen, dass Deutschland und Baden-Württemberg ohne Agro-Gentechnik wirtschaftlich besser fahren. Innovation muss den Menschen dienen.

Gentechnik ist umweltfreundlich? Von wegen! Die jahrelangen Erfahrungen aus Ländern mit großen Gentech-Anbauflächen zeigen: der Herbizidverbrauch sank nur zu Beginn kurzzeitig und liegt inzwischen weit höher als vor dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Die Landwirte haben außerdem mit Superunkräutern zu kämpfen, weshalb immer härtere Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden müssen.

Die Praxis zeigt: Koexistenz ist in der Praxis nicht möglich! Zum Beispiel in Kanada ist der Anbau von Bio-Raps mittlerweile unmöglich, weil er durch Kontamination durch GVO-Raps unverkäuflich ist. In den USA denken mittlerweile nicht nur Konzerne (z.B. McDonald, Anheuser-Busch) und Verbraucher um – auch der Verband der amerikanischen Maisbauern macht Front gegen den unverkäuflichen GVO-Mais. (Die Zeit, 29.12.2005) Wenn schon in den USA und Kanada die Koexistenz nicht funktioniert – wie soll dann in der kleinräumigen Landwirtschaft in Baden-Württemberg die Existenz der konventionellen und Öko-Landwirtschaft und der Saatguthersteller gesichert werden?

Das Welternährungsproblem gelöst? Nein, es verschärft sich! Weder durch die Manipulation am Lebensmittel (z.B. Golden Rice mit mehr Vitamin A) noch die Manipulation am Saatgut (zur Keimunfähigkeit) bringt den Menschen in der 3.Welt Vorteile. 1.Ist es ein Eingriff in den seit jahrtausenden bewährten Lebensmittelverbund, der gesundheitliche Gefahren birgt! 2.Macht es die Menschen abhängig von den Konzernen! Ihr Kulturgut, d.h. die Vielfalt an Reissorten, Getreidearten und Pflanzen geht verloren und somit die Lebens- und Nahrungsgrundlagen der Menschen.

„In der Natur ist kein Irrtum, sondern wisse, der Irrtum ist in dir“ Leonardo da Vinci Mit freundlichen Grüßen

Beate Pittas

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