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Interview mit Reinhild Benning, BUND-Agrarreferentin:

„Ein Vorschlag unter aller Würde!“

Reinhild Benning

Campact: Der Agrarausschuss der Länder will das bestehende Verbot für Legebatterien ab Januar 2007 kippen und hat eine entschärfte Legehennenverordnung vorgelegt. Wie weitgehend unterscheidet sich der Vorschlag von der von Rot-Grün auf den Wege gebrachten Verordnung?

Reinhild Benning: Der Vorschlag des Agrarausschuss übertrifft alles bisher diskutierte! Jedem Huhn soll nur 800 cm² zur Verfügung stehen – ein Hauch mehr als ein A-4-Blatt. In bestehenden Gebäuden – und das sind die meisten – soll eine Käfighöhe von 45 cm erlaubt sein, also niedriger als ein aufrecht stehendes Huhn. Sitzstangen wären damit eine Farce. Zudem möchte der Agrarausschuss die herkömmlichen, noch kleineren Käfige bis Ende 2009 erlauben.

Seehofer und etliche Ministerpräsidenten führen das Argument ins Feld, dass mit einem Verbot jeglicher Käfighaltung Legebatterien ins Ausland verlegt würden, wo noch laschere Regeln bestehen. Besteht diese Gefahr?

Ein Drittel der bei uns gekauften Eier aus artgerechter Haltung stammen aus dem Ausland. Es gibt also enorme ungenutzte Potentiale für Umstellungswillige Hühnerhalter, artgerecht gehaltene Eier bei uns zu vermarkten. Das Argument der Abwanderung ist damit Augenwischerei.

Überraschend hat Seehofer den Entwurf des Agrarausschusses scharf zurückgewiesen und will ihn nicht durchwinken. Wie schätzt Ihr die Situation ein: Ist das Verbot für Legebatterien noch zu retten?

Seehofer hat einen Vorschlag abgelehnt, der unter aller Würde in der Tierhaltung ist. Das ist keine Kunst. Es kommt jetzt darauf an, dass Seehofer dem Votum der Bevölkerung und dem Koalitionsvertrag folgt und alle Formen der Käfighaltung verbietet. Wenn er aber die geltende Legehennenverordnung und damit das Käfigverbot antastet, geht er als Tierqual- und Käfigminister in die Geschichte ein.

Was können die Verbraucher tun, um eine Ende der Legebatteriehaltung zu erreichen?

Die Verbraucher sind bereits auf dem richtigen Weg: Sie kaufen ihre Frühstückseier schon zu über 60 Prozent aus Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung. Dieser Anteil steigt rasch, seit Haltung und Herkunft am Code auf jedem Ei erkennbar ist. Das Ei mit der Codenummer 3, das für Käfighaltung steht, ist dagegen zum Ladenhüter geworden. Fortgesetzte Skandale, wie der aktuelle um Nikotin in Käfigeiern, rütteln sicher zusätzlich viele Menschen wach. Bei eihaltigen Back- und Teigwaren gibt es allerdings nur bei Bioprodukten eine Garantie für die Verwendung von Eiern aus tiergerechter Herkunft. Der BUND kämpft dafür, dass Lebensmittel mit tierischen Inhaltsstoffen generell nach Haltung und Herkunft der Tiere gekennzeichnet werden müssen. Nur so haben Verbraucher Wahlfreiheit und können Tierquälerei abwählen.




 

Diese Kampagne ist beendet und wird daher nicht mehr aktualisiert.
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