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Dörpen, 19. Oktober 2008

Autor: Ferdinand Dürr

Volksfeststimmung im Emsland

Diskussion

Die Polizei hatte ihm geraten, sich in der Öffentlichkeit etwas zurück zu halten, als die Bürgerinitiative "Saubere Energie" im Juni zur Großdemonstration mit 5.000 Teilnehmer/innen lud - die größte Demo die es je im Emsland gab. An diesem Sonntag lässt sich der Bürgermeister Hermann Wacker des Städtchens Dörpen aber trotzdem zur Podiumsdiskussion einladen und diskutiert mit rund 700 Zuhörer/innen über die Pläne eines Schweizer Investors, ein Steinkohlekraftwerk in der Gemeinde zu errichten.

Bei so viel Volk entsteht schnell eine Volksfeststimmung: Kaffee und Kuchen gehören ebenso zu diesem Nachmittag, wie Bratwurst und Bier. Und auch für Kinderspaß ist gesorgt. Außer dem Kohlosaurus, der anfangs noch schlaff seinen Hals hängen lässt, sorgen ein Glücksrad, eine Hüpfburg und ein Schminktisch dafür, dass auch die Eltern kleinerer Kinder an der Diskussion teilnehmen können.

Diskussion

Inge Stemmer, Sprecherin der BI, fordert denn auch von Applaus unterstützt vom Bürgermeister die Veröffentlichung eines Gutachtens über die zu erwartende Umweltbelastung durch das Kraftwerk. Und Nick Reimer von wir-klimaretter.de spricht davon, dass sich diejenigen, die heute noch Kohlekraftwerke genehmigen, strafbar an den kommenden Generationen machen. "Wenn erst einmal der Permafrostboden auftaut, gerät der Klimawandel vollständig außer Kontrolle", begründet Reimer.

Herr Wacker von der CDU lässt sich zumindest äußerlich davon nicht beeindrucken. Er wolle ein demokratisches, rechtstaatliches Verfahren für den Investor und das will er gemeinsam mit dem Rat umsetzen. Dem Argument mit den Petitionen - in einigen Ortsteilen hatten bis zu 70% der Menschen gegen das Kraftwerk unterschrieben - hält er entgegen, dass sich keinesfalls eine Mehrheit der Gesamtbevölkerung Dörpens der Forderung angeschlossen hätte. Hunderten potentiellen Wähler/innen gibt er heute damit ein Argument, ihn nicht wieder zu wählen.

Diskussion

Vor Jahren hieß es noch, dass all das, was sich woanders nicht durchsetzen lässt, im Emsland gebaut werden solle: Ob Atomkraftwerk, Atomfabrik oder Mercedes-Teststrecke - alles entstand hier. Gegen das Kohlekraftwerk formiert sich jetzt der Widerstand und fordert mit schon über 300 Mitgliedern "Saubere Energie" für das Emsland.

Presseberichte zur Aktion:

Neue Osnabrücker Zeitung

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