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Es fühlt sich schon reichlich absurd an, innerhalb des "Bannkreises", den die Polizei extra für den Kohlosaurier vor dem Düsseldorfer Landtag errichtet hat. So ein paar Linien mit Absperrband sind ja schnell gezogen, damit auch bloß alles seine Ordnung hat und jeder auf seiner Seite bleibt. Hinter dem Landtag fließt der Rhein und ganz in der Nähe soll im DÜsseldorfer Hafen ein neues 400 Megawatt Steinkohlekraftwerk gebaut werden. Mehrheitseigner an den Düsseldorfer Stadtwerken ist EnBW: der Genehmigungsantrag für die Dreckschleuder hat der Stromversorger erst kürzlich gestellt. "Ein Kohlekraftwerk quasi mitten in der Stadt" - Düsseldorfer Unterstützer schütteln missbilligend den Kopf und bewaffnen sich mit Zukunft statt Kohle-Schildern.

Im Abseits protestierte die Kohlosaurus-Truppe aber trotz Bannkreis auch heute nicht: Tatkräftige Unterstützung gab es neben den Aktionsbündnis "Astr(h)ein" auch von BUND, NABU, den Grünen, Greenpeace, die Linke und dem Düsseldorfer Bürgersolarverein. "Düsseldorf braucht das neue Kohlekraftwerk nicht", sagt "Astr(h)einer" Dirk Jansen in der Diskussionsrunde. EnBW hat es selbst zugegeben: Mit dem Kraftwerk will der Stromversorger vor allem seine Duftmarke in Nordrhein-Westfalen setzen und das Territorium gegenüber RWE und E.on vergrößern. Reine Pose also.
Die Pose war ohnehin DAS Thema heute in Düsseldorf. Nach einem ersten Tourstopp in Mannheim mit großartigem Zulauf war der Termin heute vor allem für die Presse gedacht: Und die rückte zahlreich an; Spiralblock, Mikrofon und Kamera im Gepäck. WDR, Sat 1, Pro 7, Reuters, Center-TV, etliche Agenturfotografen sowie Journalisten von Lokal- und Landeszeitungen sind vor Ort.

Der Kohlosaurier wird ins rechte Licht gerückt und auf Kommando gehen wieder hunderte "Kohlendioxid-Ballons" in die Luft. Alle Kameras sind nach oben gerichtet, noch ein Schnappschuss hier, ein Interview da, dann legt sich der Trubel wieder - und hoffentlich nicht, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
"Für die Landesregierung hat in Sachen Klimaschutz die Erneuerung des Kohlekraftwerksparks Vorrang" wird das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie NRW später verlauten lassen. Komisch, aber gerade "in Sachen Klimaschutz" sind 2,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ZUSÄTZLICH recht schwer zu schlucken. Und hier ist nur vom geplanten Kohlekraftwerk in Düsseldorf die Rede - insgesamt sind in Nordrhein-Westfalen gleich elf neue Kohlekraftwerke in Planung.
Auf der Wiese vor dem Landtag liegt am Ende der Kohlosaurus-Aktion in Düsseldorf nur noch eine recht verlassen wirkende aufblasbare Weltkugel. "Schau mal, da hat jemand seine Welt vergessen". Allgemeines Stirnrunzeln und Blick auf das Landtagsgebäude. Irgendwie treffend.

Pressebericht zur Aktion: