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Mitten auf dem Neumarkt war heute einiges los um den Kohlosaurus. Viele Krefelder waren zunächst irrtiert über das prähistorische Tier in ihrer Innenstadt. Beim Einkaufsbummel ließen sich die meisten aber gerne stören. Neugierig macht der Kohlosaurier nämlich allemal, auch während sein Bauch noch mit Kohlendioxid-Ballons gefüllt wird.
Toll, dass sich vor Ort immer zahlreiche Helfer und Unterstützer finden, die spontan anpacken beim Ballons aufpumpen oder Unterschriften sammeln. Oder gut gelaunt einfach Präsenz zeigen für Zukunft statt Kohle. Greenpeace baut einen Stand auf, die Krefelder Bürgerinitiative Saubere Luft illustriert ihr Anliegen mit viel Informationsmaterial und einem Sarg für den Umweltschutz, Kaffe und Kuchen aus dem Bioladen werden feilgeboten und auch die Bürgerinitiativen aus Lünen reisen an, um sich hinter die Krefelder "Nachbarn" zu stellen.

Kopfschmerzen verursacht in Krefeld allerdings Jürgen Hengst, Fraktionsvize der SPD im Rat Krefeld (links im Bild). "Wer das neue Kohlekraftwerk verhindert schadet dem Klima" sagt der gute Mann nonchalant mal so dahin, spricht vom hohen Wirkungsgrad und Versorgungsabhängigkeit nach Osteuropa- und lässt es sich mit dem Mikro in der Hand an dieser Stelle auch nicht nehmen, den Grünen über das kürzlich genehmigte Kohlekraftwerk im Hamburger Stadtteil Moorburg einen Seitenhieb zu versetzen. Dafür kassiert er Buh-Rufe aus dem Publikum, aber "dass dumme Bemerkungen kommen war ja klar". Eine deutliche genervte Stefanie Mälzer von den Krefelder Grünen, Ulrich Grubert vom niederrheinischen Umweltverein und Nabu-NRW-Vorsitzender Josef Tumbrinck (rechts auf dem Foto) haben in Sachen "zentralistisch, ineffizient und fossil" versus "flexibel, dezentral und erneuerbar" aber zum Glück auch ein Wörtchen mitzureden.

Die Debatte anheizen - das ist einer der Gründe, warum wir mit dem Kohlosaurus unterwegs sind. Dass dabei verbal die Fetzen fliegen ist gar nicht übel - und aktiviert auch den Teil des Publikums, der eher zufällig zum Kohlosaurier findet. Wortmeldungen gibt es an diesem Nachmittag ebenso viele wie Meinungen. Meistens auch kühlen Kopfes formuliert.
Kopfschmerzen kann sich in Krefeld jedenfalls gerade niemand leisten. Eine Milliarde Euro wollen der Stadtwerkebund Trianel und die in Krefeld ansässige Chemiefirma Bayer in die neue Steinkohleschleuder stecken - und mit 750 Megawatt Leistung weit über den Bedarf der Umgebung hinweg Energie produzieren. Macht 4,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich zusätzlich auf dem Treibhausgaskonto. Dagegen hilft auch keine Kopfschmerztablette.
