5-Minuten-Info

Jede Krippe zählt

Krippen-Aktion

Der „Krippengipfel“ der Familienminister/innen von Bund und Ländern hat am 2. April beschlossen, die Zahl der Plätze für unter Dreijährige in Kinderkrippen bis 2013 zu verdreifachen - ein großer Erfolg hin zu einer kinderfreundlicheren Gesellschaft. Das ist gut - denn Eltern müssen wählen können, ob Sie ihre Kinder zu Hause betreuen oder die Unterstützung einer Kinderkrippe wählen wollen. Doch die Finanzpolitiker der Bundesregierung verweigern jetzt Finanzhilfen des Bundes und wollen die gesamte Finanzlast Ländern und Kommunen aufbürden. Diese haben wiederum ihre Ausbauzusagen an Finanzhilfen des Bundes gekoppelt. Der Ausbau der Kinderkrippen droht zu kippen!

Dabei tut der Ausbau dringend Not: Deutschland rangiert europaweit auf den hinteren Plätzen bei früh­kind­lichen Be­treuungs­angeboten. Bei derzeit 7 Krippen­plätzen auf 100 Kleinkinder sind wir zumindest in West­deutschland weit vom Angebot in anderen europäischen Ländern ent­fernt. Der euro­päische Schnitt liegt bei etwa 35 Plätzen. Eltern können hierzu­lande nicht frei wählen, ob sie ihre Kinder bis zum dritten Lebensjahr selbst zu Hause umsorgen oder die Unterstützung einer Kinderkrippe in Anspruch nehmen.

Dieser Zustand bringt nicht nur individuelle, sondern auch große gesellschaftliche Probleme mit sich. Der mangelnde Zugang zu einer bezahlbaren, flexiblen und qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung

  • ist eine wichtige Ursache für die große Schere zwischen dem Wunsch nach Kindern und der tat­sächlichen Geburtenrate. Berufliche Karriere und Kinder erscheinen vielen Paaren nicht mitein­ander vereinbar. Die Politik sollte alles tun, damit Menschen das Gefühl haben, dass Kinder in diesem Land willkommen sind, und sie in ihrem Kinderwunsch unterstützen.
  • verhindert häufig die partnerschaftliche Aufteilung der Erziehungsarbeit und zementiert die traditionelle Rollenverteilung. Ein Elternteil ist gezwungen, zu Hause zu bleiben. Angesichts der im Schnitt noch immer geringeren Löhne für Frauen ist dies zumeist die Frau. Besonders für Frauen bedeutet die Entscheidung für Kinder deshalb allzu oft eine gegen die eigene berufliche Karriere.
  • verstellt vielen Kindern aus bildungsfernen gesell­schaftlichen Schichten die Chance auf einen Auf­stieg. Die Grundlagen für die Sprach­entwicklung und die Fähigkeit, Wissen aufzunehmen und schöpferisch anzu­wenden, werden in den aller­ersten Phasen der Kindheit gelegt. Eine päda­gogisch hoch­wertige Kinder­betreuung kann Aus­wirkung der sozialen Herkunft auf spätere Bildungs­erfolge eines Kindes sehr verringern, wie Erfahrungen aus Skandinavien lehren.
  • Deutschland ist heute meilenweit von einer den Bedarf deckenden, qualitativ hoch­wertigen Versorgung mit Kinderkrippenplätzen entfernt. Der von Familien­ministerin von der Leyen vorgeschlagene Ausbau der Krippenbetreuung kann daher nur der Anfang sein. Wir fordern die Politik auf, schnell und konsequent zu handeln:

    Kinderkrippenplätze auf 750.000 ausbauen

    Die Zahl der Krippenplätze für unter Dreijährige muss möglichst schnell von derzeit rund 250.000 auf 750.000 verdreifacht werden. Damit hätten 35 Prozent der Kleinkinder ein Angebot, wodurch der von einer aktuellen Studie des Deutschen Jugendinstituts ermittelte Bedarf gedeckt wäre. Ist dieses Ziel erreicht, sollten Eltern mit Kleinkind einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz erhalten. Auf diesen Anspruch konnten sich die Familienminister/innen von Bund und Ländern bisher nicht verständigen.

    Qualität verbessern

    Die Pläne der Familienminister/innen setzen vor allem auf Quantität, leider aber kaum auf Qualität. Gerade für Kleinkinder braucht es eine intensive Betreuung. Auf 3 bis 4 Klein­kinder muss eine Fach­kraft kommen. Nur mit einem solchen Betreuungs­schlüssel ist eine individuelle Zuwendung und Förderung der Kleinkinder möglich. Die Öffnungs­zeiten von Kinder­krippen müssen flexibler sein, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken. Ent­scheidend ist zudem ein hohes Ausbildungsniveau der Fachkräfte in den Kinderkrippen als auch bei Tages­müttern/-vätern. Höhere Qualitätsanforderungen müssen sich auch in einer besseren Bezahlung der Beschäftigten wider­spiegeln.

    Kein Ausbau zu Lasten des Kindergeldes

    Der quantitative und qualitative Ausbau darf nicht durch einen Verzicht auf eine Kindergelderhöhung und damit zu Lasten einer anderen Familienleistung finanziert werden.

    Ein umfassender Ausbau frühkindlicher Betreu­ungs­an­gebote ist durch eine Abschaffung des Ehe­gatten­splittings möglich, durch das dem Staat derzeit jährlich 19 Mrd. Euro entgehen. Das Ehe­gatten­splitting verstärkt die ungleiche Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Ehepaare mit einem hohen Ein­kommen werden zudem stärker gefördert als Familien ohne oder mit geringem Einkommen. Mit einem groß­zügig bemessenen Kindergeld und einem Ausbau der Kinder­betreuung fördert der Staat dagegen alle Kinder in gleicher Höhe.

    Als weitere Finanzierungsquelle müssen die Ein­nahmen aus der Erbschaftssteuer erhöht werden, die ausschließlich den Ländern zufließen. Durch eine gleichmäßige Bewertung aller Vermögensarten müssen insbesondere große Ver­mö­gen bei der Weiter­gabe höher besteuert werden.

    Am 16. April sollte der Koalitionsausschuss darüber entscheiden, in wieweit mehr und bessere Krippenplätze geschaffen werden und wie dies finanziert wird. Doch die Finanzpolitiker der Regierung haben für die Absetzung des Tagesordnungspunktes gesorgt. Jetzt müssen wir Druck machen, dass der Koaltionsausschuss auf seiner nächsten Sitzung Finanzhilfen des Bundes für den Krippenausbau beschließt!


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