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Seit Monaten hält die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko die gesamte Welt in Atem. Jeder Versuch, das Bohrloch in 1.500 Metern Tiefe zu verschließen, wurde von Medien rund um den Globus verfolgt – und einer nach dem anderen scheiterte. Erst nach Monaten konnte die Ölquelle am Grund des Ozeans Ende Juli zumindest provisorisch verschlossen werden.
Der BP-Konzern gelobte, grundlegende Konsequenzen aus dem Desaster zu ziehen, doch damit scheint es nicht weit her zu sein: In wenigen Wochen will BP die nächste Bohrung starten – diesmal im Mittelmeer. Vor der Küste Libyens will der Öl-Multi in noch größerer Tiefe als im Falle der verunglückten "Deepwater Horizon" eine Ölquelle erschließen.
Jetzt zählt unser Protest: Fordern Sie von BP, auf Tiefseebohrungen zu verzichten – und als ersten Schritt keine Bohrung im Mittelmeer vorzunehmen!
Tiefseebohrungen – eine schwer beherrschbare Technik
Der weltweite Hunger nach neuen Ölquellen hat in den letzten Jahren zu einer enormen Zunahme von Tiefseebohrungen geführt. In flachen Gewässern sind die Lagerstätten größtenteils bereits erschlossen, weshalb in immer tieferen Meeresregionen gesucht wird. Neben dem Golf von Mexiko sind vor allem die Küsten vor Brasilien, Australien, China, Westafrika sowie die nördliche Nordsee betroffen.
Die über Monate erfolglosen Versuche von BP, das Bohrloch im Golf von Mexiko mit Hilfe ferngesteuerter Roboter zu verschließen, haben gezeigt, dass keine zuverlässige Technik zur Behebung von Problemen existiert. Ab einer Tiefe von mehr als 200 Metern können wegen des extrem hohen Drucks und der völligen Dunkelheit keine Taucher mehr zum Einsatz kommen, weshalb auf Roboter zurückgegriffen werden muss (weitere Infos bei Greenpeace).
BP bohrt erneut – im Mittelmeer
Insgesamt fünf Bohrungen plant BP in den nächsten Monaten in der Mittelmeerbucht Große Syrte. Die Rechte an dem Ölfeld hat der Konzern bereits vor drei Jahren für 900 Millionen Dollar erworben – die bis dato größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. Die Bohrungen sollen in noch tieferem Wasser beginnen als im Fall der havarierten "Deepwater Horizon" in über 2.000 Meter Tiefe. Nach Angaben der UN besitzt Libyen nicht einmal einen Notfallplan, mit dem einer Ölkatastrophe in der Region begegnet werden könnte.
Vorwürfe der US-Regierung rücken das Projekt in ein zwielichtiges Licht: Das britische Unternehmen BP soll dafür gesorgt haben, dass der libysche Lockerbie-Attentäter Abdel Basset al-Megrahi vorzeitig aus schottischer Haft entlassen wurde. Dadurch soll das Geschäft mit Libyen überhaupt erst möglich geworden sein (weitere Infos von dpa).
Weg vom Öl
Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat nicht nur die Gefahren verdeutlicht, die von Tiefseebohrungen ausgehen. Sie mahnt auch einen grundlegenden Wechsel in der Energiepolitik an. Die auf fossilen Energieträgern basierende Ökonomie gefährdet das globale Klima und ist nicht nachhaltig. Notwendig ist eine Wirtschaftsform, die auf Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Energiesparen beruht. Mit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise kann darauf verzichtet werden, mit immer aufwendigeren Methoden neue Öl-Lagerstätten zu erschließen – sei es in der Tiefsee oder durch den äußerst umweltverschmutzenden Abbau und die aufwendige Extraktion aus Ölsanden (mehr zu Ölsanden bei Greenpeace).
Die Kritik wächst
Sowohl in der EU-Kommission als auch in Italien stoßen die BP-Bohrpläne vor der libyschen Küste auf Ablehnung. Italiens Umweltministerin Stefania Prestigiacomo tritt für einen Stopp von Öl-Bohrungen im ganzen Mittelmeerraum ein, ebenso EU-Energiekommisar Günther Oettinger (Weitere Infos bei Spiegel-Online).
In Deutschland hat BP einen Marktanteil von fast 25 Prozent, hauptsächlich durch die Tochtergesellschaft Aral. Schon jetzt kämpft der Öl-Multi mit seinem völlig ramponierten Image – auf den Protest hiesiger Konsument/innen dürfte BP daher sehr sensibel reagieren.